ESI – Entscheidungsschulden-Index

Referenzrahmen zur strukturellen Einordnung von Entscheidungen

Worum es geht

Mit Entscheidungsschulden sind keine Fehlentscheidungen und keine persönliche Verantwortung gemeint, sondern die strukturelle Last, die entsteht, wenn Entscheidungen nicht klar, nicht vollständig oder nicht zuständigkeitsgerecht gesetzt werden.

Der Entscheidungsschulden-Index (ESI) ist ein Referenzrahmen zur externen Einordnung, ob Entscheidungen in Organisationen strukturell tragfähig verankert sind.

Der ESI trifft keine Aussage zur inhaltlichen Qualität oder Zweckmäßigkeit einzelner Entscheidungen.
Er beschreibt ausschließlich die Tragfähigkeit der Entscheidungsarchitektur, also die Frage, ob Zuständigkeit, Mandat, Verantwortung und Eskalation so verankert sind, dass eine Entscheidung später als vertretbar und begründbar gelten kann.

Wofür der ESI da ist – und wofür nicht

Der ESI dient der vorsorglichen Dokumentation von struktureller Sorgfalt bei komplexen, haftungsnahen oder schwer reversiblen Entscheidungen.

Er ist kein:

  • Beratungsinstrument
  • Reifegradmodell
  • Steuerungs- oder Implementierungsframework
  • Instrument zur Optimierung von Entscheidungen

Der ESI ersetzt keine Entscheidung und gibt keine Empfehlungen.
Er stellt einen Maßstab bereit, anhand dessen die strukturelle Vertretbarkeit einer Entscheidung eingeordnet werden kann.

Die fünf Standardsätze des ESI

1. Der Entscheidungsschulden-Index (ESI) dient der externen Einordnung, ob Entscheidungen in Organisationen strukturell vertretbar verankert sind. Er trifft keine Aussage zur Qualität oder Zweckmäßigkeit einzelner Entscheidungen.

2. Entscheidungsschulden liegen vor, wenn Entscheidungen faktisch wirken, ohne dass Zuständigkeit, Mandat, Eskalation und Verantwortungszurechnung eindeutig verankert sind.

3. Der ESI bewertet keine Personen, Rollen oder Leistungen, sondern ausschließlich die Tragfähigkeit der Entscheidungsarchitektur.

4. Die Einordnung erfolgt qualitativ anhand definierter struktureller Indikatoren und wird einer von drei Bewertungsstufen zugeordnet:

– architektonisch unauffällig
– architektonisch prüfbedürftig
– strukturell risikobehaftet.

5. Der ESI ist kein Beratungs-, Steuerungs- oder Implementierungsinstrument, sondern ein Referenzmaßstab zur vorsorglichen Dokumentation von Sorgfalt und Begründbarkeit.

Anwendung

Der ESI wird nicht organisationsweit, sondern anhand einer einzelnen, strukturprägenden Entscheidung angewendet.
Dies können sowohl bereits getroffene als auch laufende Entscheidungen sein.

Die Einordnung erfolgt qualitativ entlang definierter Indikatoren
und dient ausschließlich der strukturellen Beschreibung, nicht der Ableitung von Maßnahmen.

Versionierung

ESI – Entscheidungsschulden-Index
Version: 1.0
Stand: Januar 2026

Der Referenzrahmen wird weiterentwickelt.
Die grundlegende Logik bleibt unverändert.

Hinweis:
Der ESI ist als Referenzrahmen konzipiert.
Er entfaltet seine Wirkung nicht durch Bewerbung, sondern durch Anwendung.